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Eine Begleitung

Heute werde ich Frau B. im Krankenhaus kennenlernen. Ich weiß, sie ist im 45. Lebensjahr, hat Krebs und es besteht keine Aussicht auf Heilung.

Auf ihrem letzten Weg möchte ich sie begleiten und mein erster Gedanke ist:  "Wird sie mich annehmen. Ich bin ja vollkommen fremd für sie."

In den ersten Minuten unserer Begegnung entscheidet sich dann, dass wir uns sympathisch sind. Sicher ist: wir werden zueinander finden.

Nach und nach erfahre ich Dinge aus ihrem Leben, wichtige Ereignisse und Beiläufiges. In erster  Linie bin ich Zuhörerin, versuche, ihr so nahe wie möglich zu sein, ganz bei ihr. Ich möchte ihr die Zeit, die ihr noch bleibt, erleichtern; ein Stück mit ihr gehen, so dass sie irgendwann vielleicht bereit sein wird, ihr Sterben anzunehmen. Das wäre mein Ziel.

Nach den Besuchen bei ihr hatte ich unterschiedliche Empfindungen. Manchmal ein direktes Glückgefühl, erfahren zu dürfen, dass mir so viel Vertrauen entgegengebracht wurde.

 

Es gab auch traurige Momente, wenn mir klar wurde, dass es irgendwann auch einen Abschied geben würde.

Nach ca. 4 Wochen kam dieser Moment. Einen Tag bevor sie starb, spürte und ahnte ich, dass es die letzten Stunden mir ihr sein würden. Ein Gefühl, das sich bestätigte.

Am nächsten Morgen erhielt ich einen Anruf, sie sei in der Nacht verstorben.

Oft haben wir darüber gesprochen, dass dieser Augenblick irgendwann einmal kommen wird.

Wir haben über so viele Dinge gesprochen, haben zusammen geweint, aber auch gelacht. Ich kann sie immer noch hören. Auf ihrem letzten Weg habe ich sie begleiten dürfen und ihr einige Ängste nehmen können.

Ich werde sie sicher nicht vergessen und denke heute dankbar an die Zeit mit ihr.

R. I., Hospizmitarbeiterin

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